#10years: Sandra

Schuljahr 2002/2003 zum Jahresaustausch in Argentinien

Hosted by D 4895, Rotary Club Don Torcuato, Buenos Aires, Argentinien
Heute arbeitet Sandra in einer Werbeagentur und spricht noch immer "ganz okay" Spanisch.

Aktuell:

Ich gebe zu, meinen Hosting District musste ich erst googlen. Dafür kann ich die Telefonnummern meiner Gastfamilien noch aufsagen und weiß, mit welchem Bus ich ins Einkaufszentrum gefahren bin (Linie 68). Ich bin mittlerweile selbst Rotarierin des E-Club of D-1850 und engagiere mich außerdem im Jugenddienst des Distriktes und auch im RJD e.V. Ich habe noch Kontakt zu meiner dritten Gastfamilie.

Ich kenne nun Berlin besonders gut.

Argentinier sind Backpacker. Die meisten Argentinier kommen irgendwann mal nach Europa und dann auch nach Berlin. Die allermeisten meiner früheren Freunde und Gastfamilien melden sich dann und fragen, ob wir uns sehen können. Und natürlich freue ich mich und fahre nach Berlin. Das hat zur Folge, dass ich in regelmäßigen Abständen Freunde durch Berlin führe. Damit ich das einigermaßen sinnvoll tun kann, habe ich mir irgendwann ein paar Fakten zur Stadt und Geschichte zurechtgelegt.

Ich gebe zu, mit 15 wollte ich einfach in die große, weite Welt. Argentinien, USA, Ecuador - pfft, völlig egal. Es ist dann Don Torcuato in Buenos Aires geworden. Ich erinnere mich gern an mein Jahr zurück: Meine Schule, meine Familien, meine Schuluniform, Mate, tolle Reisen, Ferias in Buenos Aires, das Unicenter, die anderen Austauschschüler, Eis von Munchis, die Musik, Telenovelas und das Essen - das prägte mich sehr. Ich hatte große Schwierigkeiten, danach wieder in Deutschland anzukommen. Was heute geblieben ist, ist der Mate-tee und eine Vorliebe für Steak. Und ein Haufen toller Erinnerungen.

Meine Schwester ist grade auf Weltreise und wird bei meiner dritten Gastfamilie unterkommen. In Don Torcuato. Ich bin ein bisschen neidisch und sehr schwermütig. Ich war erst einmal wieder dort, mittlerweile habe ich Angst vor dem Fliegen.

Was bleibt? In meinem Jahr im Ausland habe ich gelernt, das materielle Dinge nicht wichtig sind. Und dass es überall liebevolle und interessante Menschen, beeindruckende Natur und einmalige Erfahrungen gibt. Das habe ich verinnerlicht. Ich engagiere mich deshalb in diversen Projekten und Organisationen sozial, spende regelmäßig einen Teil meines Einkommens und bin Mitglied bei Rotary. Mein Club kennt mich seit längerem leider eher beurlaubt und abwesend, aber mein Herzensprojekt bleibt der Rotary Austausch. Ich koordiniere heute den Kurzaustausch in unserem Distrikt, erfreue mich an den neugierigen Schülern und sich-sorgenden Eltern und dem internationalen Kontakt. Im RJD e.V. versuche ich mich ebenfalls einzubringen.

Vor allem aber ist es so, dass ich gelernt habe, die Kontrolle abzugeben. Mich zu entspannen. Dass nicht immer alles so wichtig ist, wie es manchmal scheint. Mein Jahr im Ausland war manchmal sehr konfus, ich wollte sogar abbrechen und nach Hause fahren, aber meine Consellorin hat mich nicht gelassen. Sie sagte, ich würde daran wachsen. Sie hatte Recht.

Erfahrungsberichte

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