#10years: Annie

Schuljahr 1999/2000 zum Jahresaustausch in den USA

Hosted by D 7410, North Scranton Rotary Club / USA
Heute ist Annie Kabarettistin, Autorin, Entertainerin, Moderatorin, Radio-Kolumnistin und Unternehmerin.

Aktuell:

Die Verbindung ist nie abgerissen, ich bin mindestens alle 2 Jahre in den USA und besuche meine Gastfamilien, alte Schulfreunde und meinen Rotary Club, genieße es mit ihnen das ganze Jahr noch einmal zu erinnern. Ich bin mittlerweile selbst Rotarierin des E-Club of D-1850.

Daran wachsen oder nach Hause fahren?

Nicht alles war gut und eitel Sonnenschein. Als ich im Austausch war, gab es noch kein Facebook, wir hatten keine Handys und checkten unsere E-Mails einmal in der Woche. Mit den Großeltern telefonieren war teuer. Auch wenn ich dachte, ich sei schon erwachsen und dieses Jahr würde ein Kinderspiel werden, war manches an der Grenze der Herausforderung für ein 16-jähriges „Kind“.

Welchen Einfluss das Jahr auf mich hatte? Ich bin über das Jahr gewachsen: Mit einem starken interkulturellen Selbstbewusstsein kam ich zurück, die Welt wurde über das Jahr viel kleiner, Offenheit machte keinerlei Angst mehr, andere Meinungen waren okay und respektierbar. Ich kam zurück mit starken Banden in ein Land weit entfernt und seit dem mit immerwährendem Fernweh, welches wohl eigentlich ein Weh nach dem 2. Zuhause ist, welches man sich emotional aufgebaut hat. Ach zwei Herzen schlagen immer noch in meiner Brust.

Aber ich war auf einmal Botschafterin eines Landes, mit dem ich mich vorher nicht groß identifiziert habe. Nicht wollte. Mit Deutschland und seiner Geschichte? Nein. Weg von der Heimat, erlernt man einen recht gesunden, unextremen Heimatstolz. Auf einmal mag man, wo man her kommt, erzählt gern davon und weiß das vorher für einen Selbstverständliche zu schätzen. Und auch wenn man zurückkkehrt, bleibt dieses neue Gefühl, dass Heimat und Nachhausekommen etwas Gutes ist.

Das Jahr hat mir ERST weiß Gott nicht geholfen, zu wissen, was ich mal werden will oder wo ich hinwill. Ich kam zurück und wollte einfach nur mehr und das überall und ich war nicht einfach zufrieden zu stellen. Ich habe nach diesem Jahr voller Eindrücke sehr viel von meinem Leben erwartet und der Anspruch an meine Zukunft war groß. Heute kann ich sagen, dass mir das einen guten Drive verpasst und eine etwas exzessive Arbeitsmoral.

Da müssen wir keinen Hehl draus machen: Die englische Sprache nach dem Austausch fließend zu sprechen hat mir so manche Tür geöffnet, die mir sonst verschlossen geblieben wäre. Die Liebe zu dieser anderen Sprache und den Ehrgeiz gar nicht als Deutsche auffallen zu wollen, sondern nur eine von „ihnen“ zu sein, hat mir auch irgendwann geholfen, den amerikanischen Humor zu verstehen. Dadurch habe ich nicht nur damals Freunde gewonnen. Ich habe versucht mich auf eine unterhaltsame Schiene mit meinen Mitschülern, Rotariern und den Gastfamilien zu begeben, dazu habe ich den amerikanischen Witz geradezu unbewusst analysiert. Stand-up Comedy und Sitcoms haben ihren Ursprung in den USA und die amerikanische Unaufgeregtheit ist etwas, dass mich bis heute in meiner Bühnenarbeit geprägt hat und sicherlich für meine Kolumnen inspiriert.

Es sind viele Kleinigkeiten, die man im Austausch für das Leben lernt: Frei vor einer Gruppe zu sprechen, die Neue sein, Entscheidungen treffen (oh ja, auf einmal viel mehr, als es sich meine Eltern gewünscht hätten), als Evangelin in den kath. Gottesdienst gehen können, eine gute Tochter sein, die nicht immer widerspricht, sich in der Öffentlichkeit zu verhalten zu wissen, … Wissen, was man nicht gut kann… und es dann trotzdem durchzuziehen, obwohl man nie die Beste sein wird.

Eine der größten Erkenntnisse währen meinem Jahr war der Wunsch, kein einziges Weihnachten mehr in meinem Leben ohne meine Familie verbringen zu müssen.

Erfahrungsberichte

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