Im Sommer blühen die Finnen auf

Aus dem Weserkurir: Inga Janßen war zehn Monate zum Rotary-Schüleraustausch in Finnland / Rund 70 Länder beteiligen sich

Inga Janßen hat das Abenteuer Schüleraustausch gewagt – in Finnland. „Die Zeit in Finnland hat mich zu einem anderen Menschen werden lassen“, so die junge Dom-Gymnasiastin, die nicht nur ihre Heimatstadt jetzt mit anderen Augen sieht. „Im Vergleich sind wir Deutschen einfach strukturierter und kommunikativer. Zumindest in den langen Wintermonaten zwischen November und März sind die Finnen eher wortkarg und nur schwer für irgendwelche Aktivitäten zu begeistern. In den Sommer-Monaten dagegen blühen sie regelrecht auf“, sagt Inga Janßen. So sei es jedenfalls in den drei Gastfamilien gewesen, die sie während ihres zehnmonatigen Aufenthaltes kennen- und schätzen gelernt habe.

Auch die finnische Sprache zu sprechen, sei ihr schwer gefallen. „Verstehen konnte ich meine Gasteltern und -geschwister bereits nach drei Monaten. Um selber zu sprechen, braucht man allerdings länger. Manch einer verzagt sogar.“ Nicht wenige Austauschschüler hätten irgendwann aufgehört, finnisch zu sprechen und sich mit englisch beholfen. Das sei für sie jedoch nicht infrage gekommen. „Ich wollte ja ganz bewusst nach Skandinavien, um eine andere Sprache kennenzulernen. Die meisten Austauschschüler zieht es eher in den Süden“, so die 17-Jährige, die besonders das finnische Schulsystem hervorhob. „Die Schülerinnen und Schüler lernen in sechswöchigen Semestern, denen sich jeweils zweiwöchige Prüfungen anschließen. Dadurch arbeiten die Schülerinnen und Schüler sehr viel eigenverantwortlicher“. Unvergesslich bleiben der Verdenerin eine fünftägige Ski- sowie Rentier- und Hundeschlittentour durch Lappland mit teils meterhohem Schnee bei Minus 31 Grad und dem eher ernüchternde Besuch des Weihnachtsmanndorfes Rovaniami, das sich völlig unromantisch neben der Autobahn an einer Tankstelle befindet. Dennoch ließ es sich Inga nicht nehmen, ein Erinnerungsfoto mit dem Weihnachtsmann zu machen.

Der Rotarier Uli Schmitz, seit einigen Jahren im Verdener Club für den Jugenddienst verantwortlich, ist begeistert von den Möglichkeiten, die der Rotary-Jugendaustausch bietet. „Wir haben das weltweit größte nichtkommerzielle Programm für den internationalen Jugendaustausch.“ Soll heißen: Das Programm steht Angehörigen von Rotary-Mitgliedern und Nichtmitgliedern in gleicher Weise offen. Teilnehmen können schulpflichtige Mädchen und Jungen zwischen 16 und 18 Jahren (der 18. Geburtstag darf zu Beginn des Austauschjahres, 1. August, noch nicht erreicht sein) in der Regel im Anschluss an die 10. Klasse. Der Austausch dauert ein Schuljahr, maximal 12 Monate, und beginnt im Juli beziehungsweise August. Anforderungen an die Bewerber sind unter anderem mindestens Grundkenntnisse in der Sprache des Gastlandes (hier hilft gegebenenfalls ein Sprachkurs nach Kenntnis des zukünftigen Austauschlandes), Anpassungsfähigkeit, Aufgeschlossenheit, Selbständigkeit, Orientierungsbereitschaft, Kenntnisse über das eigene Land und das Gastland. Kurzum: die Fähigkeit, als Botschafter des guten Willens und der Völkerverständigung sein Heimatland in der Welt zu vertreten.

Etwa 70 Länder beteiligen sich an dem Programm. Dazu gehören Kanada, USA, Bahamas, Mexiko, Brasilien, Paraguay, Peru, Venezuela, Chile, Argentinien, Ecuador, Südafrika, Australien, Neuseeland, Japan, Südkorea, Taiwan, Thailand, Malaysia (nur Jungen), Indien, Baltische Staaten, Benelux, Finnland, Frankreich, Italien, Norwegen, Polen, Russland, Schweden, Spanien, Schweiz, Ungarn, Slowenien und die Türkei. Da pro Land nur eine begrenzte Zahl an Plätzen zur Verfügung steht, müssen bei der ersten Bewerbung drei Alternativen benannt werden, darunter nur eine für ein englischsprachiges Land. Eine spezielle Region oder Provinz eines Landes ist nicht wählbar. Wer lieber erst einmal „schnuppern“ möchte, wie es sich fern der Familie und der Heimat in einer anderen Familie „anfühlt“, nimmt an einem sogenannten „Kurzaustausch“ teil. Sollte es während des Austausches Schwierigkeiten geben, steht ein Mitglied des aufnehmenden Rotary-Clubs als Counselor zur Verfügung. „Er ist neben den Gastfamilien die wichtigste Bezugsperson und fungiert als familienexterner Berater und gegebenenfalls sogar als Mediator“, erklärt Uli Schmitz. 

aus: Weserkurir, Tageszeitung für Bremen und Niedersachsen

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